Schützenverein Holdorf

Geschichte

Die Nachkriegszeit bis zum Jubeljahr 1961

Der furchtbare Zusammenbruch 1945 schien für alle Zeiten das Ende des Schützenwesens zu bedeuten. Wegen der Mitgliedschaft im NS-Reichsbund für Leibesübungen wurden alle Schützenvereine aufgelöst und ihr Vermögen unter Treuhandverwaltung gestellt. Die Gewehre mussten abgeliefert werden. Die Insignien des Vereins, die Königskette, das Diadem und die Vereinsfahne konnten von beherzten Schützenbrüdern durch die Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit gerettet werden.

Ab 1948 änderte die Militärregierung ihre Ansicht über die Schützenvereine und erlaubte auf Vermittlung des Vorsitzenden des Parlamentarischen Rates, Konrad Adenauer, die Neugründung von Vereinen und Verbänden, aber zunächst nur als „Schützenbruderschaft“.

Heinrich Blomendahl und Josef Sommer nahmen die Gelegenheit wahr und luden in Absprache mit anderen Schützenbrüdern alle ehemaligen Mitglieder des Schützenvereins Holdorf für den 27. November 1949 zu einer Gründungsversammlung ein. 60 Personen waren anwesend, und 46 Schützenbrüder beschlossen die Neugründung des Vereins unter dem Namen „Schützenbruderschaft Holdorf“, stimmten der Satzung zu und trugen sich in das Bruderschaftsregister ein. Ihr größtes Anliegen war, den traditionsreichen Schützenverein Holdorf neu zu gründen und ihm sein altes Vermögen zurückzugewinnen. Bereits wenige Tage später wurde die Vereinsgründung der britischen Militärregierung angezeigt, die keine Einwände erhob.

Der Vorstand setzte sich im Wesentlichen aus den Männern zusammen, die schon im alten Verein Führungsaufgaben innehatten: Präsident Josef gr. Schlarmann, Vizepräsident Heinrich Blomendahl, Kassierer Heinrich Bavendiek, Schriftführer Josef Sommer und Schützenmeister Alwin Böckmann.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres setzte eine aktive Mitgliederwerbung ein, die äußerst erfolgreich verlief. Innerhalb von vier Monaten stieg die Mitgliederzahl von 46 auf 215 an. Ein unglaublicher Erfolg, aber auch ein deutliches und schönes Zeichen, wie tief der Schützenverein Holdorf nach den bitteren Jahren des Krieges und der ersten Nachkriegszeit noch im Bewusstsein der Menschen verankert war.

Dieser Vorstand ging als erstes daran, dem Verein sein Vermögen zurückzugewinnen. In Verhandlungen mit der Militärregierung und dem Niedersächsischem Landesamt für die Beaufsichtigung gesperrten Vermögens gelang es am 7. Juli 1950 auf einer öffentlichen Sitzung in Celle, das gesamte Vereinsvermögen kostenfrei wieder zu erlangen. An dieser historisch bedeutsamen Fahrt nahmen vom Schützenverein Holdorf teil: Präsident Josef gr. Schlarmann, Kassierer Heinrich Bavendiek, Schriftführer Josef Sommer und Josef Harpenau.

Angeregt von den Schützenfesten der alten Freunde aus Wehdel-Grönloh und Langwege und gegen den Widerstand des Vorstandes beschloss die Versammlung schließlich, das Schützenfest 1950 am 16. und 17. Juli in althergebrachter Weise zu feiern. Da Feuerwaffen und Kugelbüchsen noch verboten waren, schoss man zunächst mit dem Luftgewehr. Die Schießstände und Gewehre wurden von den Freunden geliehen.

Der letzte Vorkriegskönig Bernhard Neteler war inzwischen verstorben. Für ihn wurde Bürgermeister Hermann Grote einstimmig zum Reichsverweser gewählt und mit der Regentschaft bis zum ersten Schützenfest betraut. Auf diesem Fest wurde er durch den Fuhrunternehmer Josef Harpenau abgelöst.

Dieses erste Schützenfest, auf das naturgemäß das ganze Dorf gewartet hatte, nahm einen glänzenden Verlauf. Es zeigte sich, dass das Schützenfest nichts von seiner Volkstümlichkeit eingebüßt hatte, sondern zu einem verbindenden Element im Gemeindeleben wurde. Galt es doch, die vielen Vertriebenen in die Gemeinschaft aufzunehmen. So fanden sich alle Bürger der Gemeinde ohne Unterschied von Rang und Stand, Politik und Religion zu diesem Fest der Dorfgemeinschaft zusammen. Dass so etwas in unserer Gemeinde möglich wurde, ist dem Schützenverein zu verdanken, dessen Ziel es ja ist, die Dorfgemeinschaft zu pflegen. Alljährlich fand nun Mitte Juli das Schützenfest statt. Die einzelnen Kompanien erhielten starken Zuwuchs. Bereits 1954 wurde eine Jungendkompanie gebildet, deren Führung Emil Völkerding übernahm. In dieser Kompanie wurden alle Jugendlichen aufgenommen, die aus der Schulpflicht entlassen waren und das 21. Lebensjahr noch nicht überschritten hatten.

Auch aus dem Ortsteil Handorf-Langenberg trat eine sehr starke Kompanie an. Beim Ausmarsch bewegte sich ein stattlicher Festzug durchs Dorf. Als aber 1959 in Handorf-Langenberg ein eigener Schützenverein gegründet wurde, trat die 4. Kompanie Handorf – Langenberg aus der Schützenbruderschaft Holdorf aus.

Schon lange war überlegt worden, die Kompanieeinteilung des Regiments neu zu ordnen und die Zuordnung nach Wohnbereichen vorzunehmen. Gleichzeitig hatte sich 1961 im Ortsteil Holdorf-Bahnhof eine neue 4. Kompanie unter der Führung von Hauptmann August Themann gebildet. Inzwischen hatte auch ein Wechsel im Vereinsvorstand stattgefunden. Alwin Böckmann war bereits seit 1952 zum Präsidenten gewählt worden, seit 1957 fungierte Alfred Wernke, zu der Zeit Gemeindedirektor, als Vizepräsident. Walter Bavendiek hatte das Amt des Kassierers inne. Unter diesem Vorstand wurde ein Gesamtbauplan für die Schützenplatz-Anlage erstellt, der auch nach und nach verwirklicht wurde.

Der Vorstand von 1961
Vorstand von 1961

Die Generalversammlung des Vereins beschloss 1960 die Umbenennung der „Schützenbruderschaft Holdorf e. V.“ in „Schützenverein Holdorf von 1861 e. V.“. So konnte man gut gerüstet das Jubelfest zum 100jährigen Bestehen im Jahre 1961 vorbereiten. Sämtliche Nachbarvereine wurden zu diesem Fest eingeladen, das am 15., 16. und 17. Juli 1961 stattfand. Unsere Heimatzeitung, die Oldenburgische Volkszeitung, berichtete am 20. Juli in großer Aufmachung. Wir zitieren auszugsweise:

„Schützen-Jubeltage der Kameradschaft und Fröhlichkeit

Glanzvolle Hundertjahrfeier – Jubelkönig Albert II. regiert

Am Dienstagmorgen ging unter der Regierung von König Albert II. das glänzendste Schützenfest zu Ende, das Schützen, Einwohner und Gäste je in Holdorf miterlebt haben. Rund 2000 Zuschauer säumten am Sonntag die Festzugsstraße, um dieses imposante Bild des Jubiläumsfestes zu sehen. Die Teilnahme von rund 800 Schützen, davon allein 500 Auswärtigen, mit 10 Fahnenabordnungen und 10 Majestäten, die zum größten Teil in der Kutsche mitfuhren, gaben dem Zug eine besonders festliche Note.“

Oldenburgische Volkszeitung 20.07.1961

Dieses Jubelfest war somit glanzvoller Höhepunkt und damit ein würdiger Abschied der ersten 100 Jahre des Schützenvereins Holdorf.

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